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The Post

Hans-Peter Rosenberger, left, and David Butcher, right, are distant cousins and both speak at lecture From Germany to Tablertown on Tuesday, Nov. 8,2022.

Ein familientreffen seit 290 jahren

Der Ausdruck „kleine Welt“ kann für eine Vielzahl von Dingen verwendet werden. Ob es sich nun um den Namen eines Fahrgeschäfts in Disneyland handelt oder um eine Redewendung, die verwendet wird, wenn Fremde herausfinden, dass sie dieselben Leute kennen, es ist allseits bekannt, dass die Welt in Wirklichkeit gar nicht so groß ist. Am Dienstagnachmittag haben David Butcher und Hans-Peter Rosenberger bewiesen, dass dies wahr ist.

Butcher, ein lokaler Historiker, Familienforscher und Museumskurator, organisierte ein Treffen zu Ehren eines entfernten Verwandten von ihm. Das bescheidene Gotteshaus in der Kilvert Church, 21200 McGraw Rd., war bis auf den letzten Platz besetzt, und einige Gäste standen sogar vor dem Gebäude und reckten die Hälse, um einen besseren Blick zu erhaschen.

Alle Altersgruppen waren anwesend, die Tische waren mit selbstgebackenem Pie und Sandwichen gefüllt, die Wände mit alten Fotos und Illustrationen geschmückt, die die reiche Geschichte einer engen Familie zeigten. Familie war das Schlüsselwort für die Veranstaltung mit dem Titel „Von Deutschland nach Tablertown“, denn die beiden Hauptredner sind Cousins - wenn auch entfernte Cousins.

Butcher, der in Stewart, Ohio, lebt, hat einen Großteil seines Lebens der Geschichte seiner Familie und seiner Vorfahren gewidmet. Für mehr Hintergrundinformationen lohnt sich ein Blick auf einen früheren Artikel von The Post. Kurz gesagt ist Butcher der Nachkomme des Sohnes eines weißen Plantagenbesitzers und einer versklavten Frau. Michael Tabler, der Sohn, zeugte sechs bi-racial Kinder und brachte sie alle in den Südosten von Ohio, wo sie Tablertown gründeten, das heute Kilvert heißt.

Michael war ein Deutscher der zweiten Generation, und seine Familie hatte das damalige Germanien 1732 verlassen. Die Familie kam im heutigen Pennsylvania an und erwarb Land von der britischen Krone, um sich dann in Virginia niederzulassen und dieses Land in Plantagen umzuwandeln.

 Viele US-Amerikaner hören mündliche Erzählungen über ihre Verwandten, die aus Europa in die „Neue Welt“ segelten, und für Butcher war es nicht anders. Die Geschichte seiner Familie wird schon seit fast 200 Jahren erzählt.

Die Herkunft der Familie Tabler wurde jedoch verifiziert, als Butcher einen Anruf aus Washington D.C. erhielt, während er in der Zahnarztpraxis war. Der Mann am anderen Ende der Leitung stellte sich als Andrew Tabler heraus. Nachdem sie ein Video über Butcher und Tablertown gesehen hatten, fanden die beiden heraus, dass sie miteinander verwandt waren.

Nachdem er ein paar Tage mit Andrew verbracht hatte, reiste Butcher nach Deutschland und traf Verwandte, die Andrew kannte.

„Sie hatten Andrew erwartet, aber nicht David Butcher“, sagte Butcher lachend.

Während seines Aufenthalts in Deutschland lernte Butcher Rosenberger kennen, der zufällig auch Genealoge ist und Kurator eines Generationenmuseums, das er auf seinem Grundstück betreibt. Die beiden, Butcher und Rosenberger, verbrachten die nächsten zwei Tage damit, Kirschen zu pflücken und sich gegenseitig kennen zu lernen. 

Rosenberger sagte, er wusste, was für ein Mensch Butcher ist, als die beiden im Außenbereich eines Restaurants saßen und Rosenberger kalt wurde. Sofort bot Butcher ihm seine Jacke an. 

Rosenberger schilderte dieses Erlebnis, als er vor einem sehr aufmerksamen Publikum einen Vortrag über die Geschichte seiner Familie hielt. Anhand von Karten und Fotos erklärte er, wie das Leben der Deutschen in den vergangenen Jahrhunderten aussah und was seine und Butchers Vorfahren dazu veranlasste, ein neues Leben in den britischen Kolonien zu suchen.

Es ist zwar ungewiss, wann die offizielle Änderung erfolgte, aber Tabler ist nicht einmal der ursprüngliche Name der Familie. Obwohl er ähnlich ausgesprochen wird, ist „Dobler“ sein deutsches Pendant. Ein Teil der Familie Dobler lebt immer noch in Deutschland, und Albrecht Dobler war bei der Veranstaltung am Dienstag anwesend.

In der Mitte seines Vortrags forderte Rosenberger alle Nachkommen der Familie Tabler auf, ihre Hände zu heben. Fast die Hälfte des Saals hob die Hand. Stolz strahlend erklärte Butcher, es sei das erste Mal seit 290 Jahren, dass sich Verwandte aus Deutschland und Tablertown getroffen hätten.

Rosenberger, der nicht wusste, dass er afroamerikanische Familienmitglieder hat, sagte, die Entdeckung sei sehr interessant für ihn.

„Das war eine große Veränderung“, sagte er. „Ich wusste nicht viel über Afroamerikaner.“

Da der Anteil der Schwarzen in Deutschland nur 1 % beträgt, erzählte Rosenberger, dass er nie einen Schwarzen gesehen hatte, bis er sechs Jahre alt war, als er im Zug von einem amerikanischen Soldaten eine Banane geschenkt bekommen hat. 

Rosenberger reiste 1972 nach Chicago, wo er die Stadt in großem Aufruhr und Rassenunruhen erlebte. Nachdem er die Zerstörung der Stadt gesehen hatte, sagte er, er sei entsetzt über die Rassenungleichheit gegenüber der Schwarzen Community und er sei froh, dass es anscheinend einige Fortschritte gegeben habe. In Bezug auf den Mord an George Floyd sagte Rosenberger, er habe viel über die afroamerikanische Geschichte und die notwendigen Verbesserungen gelernt.

„Afroamerikanische Cousinen und Cousins zu haben, verändert einiges“, sagte Rosenberger.

Butcher wurde gefragt, ob er Groll gegen seine weißen Vorfahren hegt, aber er sagte, er sehe keinen Grund, wütend zu sein. Obwohl er die Tatsache bedauert, dass seine Vorfahren versklavt wurden, ist er der Meinung, dass es wichtig ist, aus der Geschichte zu lernen, damit sie sich nicht wiederholen kann. 

„Ich denke: ‚Warum sollte ich wütend sein? Das ist unsere Geschichte‘“, sagte Butcher. 

Kenton Butcher war ebenfalls anwesend. Er promovierte in Englisch an der Universität von Pennsylvania und hat einen Großteil seines Lebens damit verbracht, die Geschichte seiner Familie zu studieren.

„Für mich war es immer eine Geschichte, die ich kannte“, sagte Kenton Butcher. „Seit ich klein war, haben mir meine Onkel immer davon erzählt, besonders meine Tante Ada. Was sich für mich verändert hat, war die historische Forschung, die die Geschichten, die uns erzählt wurden, bestätigt hat.“

Kenton Butcher sagte auch, dass der beste Teil des gesamten Prozesses die neuen Verbindungen waren, die er knüpfen und vertiefen konnte. Darüber hinaus hat ihm seine Forschung ermöglicht, tiefer in das einzutauchen, was seine Identität für ihn bedeutet.

„Schwarze Identität ist nicht nur eine Sache“, sagte er. „Es gibt viele verschiedene Arten in diesem Land schwarz zu sein.“

Butcher bezeichnete die Veranstaltung als „historisch“ und sagte, es bedeute ihm sehr viel, dass Rosenberger extra aus Deutschland angereist sei, um zu sprechen. Schließlich handelte es sich um ein Familientreffen, das 290 Jahre lang vorbereitet wurde. 

Übersetzen: Pia Benthin

@alyssadanccruz

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